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SECRET UNDER THE SUN
Eine Kriminalkurzgeschichte von Daniela Jäger

 

„Adele“, donnerte es durch das alte Fachwerkhaus. „Warum hast Du nicht…?“
„Ach Achim…“ Entnervt stand Adele im Türrahmen. Mit ihren fünfzig Jahren wirkte sie immer noch jugendlich. Die Jeans saß locker um ihre Hüften und betonte ihre schlanken Beine.
„Was ist denn nun schon wieder?“
„Der Koffer! Kannst du ihn nicht einmal so packen, dass er sich auch schließen lässt? Und wie viel Zeug Du wieder mitnimmst. Muss das sein? Die Hälfte trägst Du doch gar nicht! Also, was lässt Du hier?“ Für einen kurzen Moment herrschte eisiges Schweigen.
„Diesmal nichts“, erwiderte sie mürrisch.
Immer das Gleiche mit ihm, dachte sie als sie den Raum verließ.

Der Flug von Frankfurt am Main nach Tampa war ruhig verlaufen. Die Stadt an der Westküste Floridas, auch Sunshine City genannt, liegt an der Tampa Bay und ist die drittgrößte Stadt des Bundesstaates. Es hätten für Adele angenehme Stunden werden können, wenn Achim nicht dabei gewesen wäre! Die gesamte Flugzeit über hatte er gemeckert. Der Kaffee war ihm zu dünn, die Sitze zu eng und die Fluggeräusche zu laut. Adele hatte irgendwann das getan, was sie in solchen Situationen immer zu tun pflegte.
Sie gab vor zu schlafen.
„It’s raining cats and dogs.” Mit diesen Worten empfing sie der Autoverleiher am Tampa Airport freundlich lächelnd und wies mit dem Kopf in Richtung des Flughafenausgangs. Statt des erwarteten Sonnenscheins und Hitze pur, regnete es kräftig. Der Himmel war rabenschwarz, heftige Windböen zerrten an den Palmen. Achim strafte Adele mit einem vorwurfsvollen Blick.

Etwa dreißig Minuten später erreichten sie die Halbinsel Coquina Key in St. Petersburg, von den Einheimischen liebevoll St. Pete genannt. Das Unwetter hatte sich verzogen und der Sunhine State machte jetzt seinem Namen alle Ehre. Durch das Internet waren sie auf ihr Feriendomizil gestoßen. Einen Monat würden sie dort verbringen. Genügend Zeit, um einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu gewinnen. Es war schon dämmrig, als sie über die kleine Kanalbrücke der Halbinsel fuhren. Der nicht ganz so steil ansteigende Brückenweg erschien auf den ersten Blick harmlos. Das der immer so rasen muss. Adele klammerte sich mit beiden Händen an den Haltegriff der Autotür und kniff ihre Augen fest zusammen.
„Mensch, fahr doch langsamer! Nicht, dass du noch einen Unfall baust.“
„Ach was du immer hast. Wo ich gerade so schön in Fahrt bin.“ Unerwartet schnell stieß der Van nach vorne, erreichte den höchsten Punkt in Sekundenschnelle. Erst jetzt war die schräg abfallende Straße auf der anderen Brückenseite zu erkennen. Der Van schien über den höchsten Punkt zu fliegen. Ein spitzer Schrei kündigte das Aufsetzen der Räder auf dem Asphalt an. Gleichzeitig durchfuhr ein Gefühl Adeles Körper, das einer Achterbahnfahrt gleich kam. Am Ende der Brücke angekommen, stießen sie beinahe mit einem Polizeiwagen zusammen, der gerade aus einer Seitenstraße fuhr. Nur Achims Vollbremsung verhinderte Schlimmeres.
„Ich hab es dir doch gesagt!“ Vorwurfsvoll schaute Adele zu ihrem Mann. „Das wird teuer!“ Zehn Minuten später und um einige Dollar erleichtert, steuerten sie einen 7 Eleven an, der vierundzwanzig Stunden geöffnet hat. Für den Abend deckten sie sich mit Brot und Getränken ein. Wortlos lief Adele neben Achim durch das Geschäft. Der Schreck saß ihr immer noch in den Gliedern.

„Adele“, donnerte es am nächsten Morgen durch die Villa. „Wo bleibt mein Frühstück?“ Gerade wollte sie zur Terrassentür hinaus, um am Bootssteg den Tagesanbruch zu erleben. Doch Achims gereizte Stimme stoppte sie.
„Ich komme gleich!“ Als ihr Blick zum ersten Mal auf die Tampa Bay fiel, hielt Adele den Atem an. Augenblicklich vergaß sie das Frühstück. Sie lief um den Swimmingpool, setzte sich an den Rand des Beckens und beobachtete, wie die Sonne über dem Meer aufging.

In freudiger Erwartung dachte sie an ihren ersten Tauchgang im Golf von Mexiko, der für die kommenden Tage geplant war. Vor Jahren schon hatte sie ihren Tauchschein gemacht. Achim war damals nicht begeistert gewesen. Schien tauchen doch ein kostspieliges Hobby zu sein. Zwei Übungen in Ägypten hatte er nur unter allergrößten Protesten zugestimmt. Adele wusste nicht wie, aber auf irgendeine Weise überzeugte sie ihn davon, dass gemeinsame Aktivitäten ihrer Beziehung gut tun würden. Da er zu sich selbst am Großzügigsten war, war es auch nicht weiter verwunderlich, dass Adele versuchte, ihm den Wassersport schmackhaft zu machen. So würde er wenigstens nicht ständig über die hohen Kosten lamentieren. Tatsächlich meldete auch er sich zur Ausbildung an. Wochen vor der USA-Reise erkundigte sie sich von Deutschland aus über Tauchmöglichkeiten an ihrem Urlaubsort und nahm Kontakt mit einer ortsansässigen Tauchschule auf. Beide freuten sich auf die bevorstehenden Tauchgänge.

Adele hatte gelesen, dass mehr als dreihundert Fischarten in den Gewässern der Region leben. Wie gut, dass ein Motorboot mit zum Haus gehört. So konnten sie jederzeit raus fahren, sich die schönsten Plätze suchen und gemeinsam hinunter gleiten in die geheimnisvolle Welt des Ozeans.

„Adele, wo bleibt mein Früüühstück?“ Achims Ungeduld riss sie jäh aus ihren Gedanken.
„Ich komme ja schon.“ Sie betrat die typisch amerikanische Küche durch die Terrassentür. Unvermittelt blieb sie stehen. Achim stand hinter der Durchreiche und schaute seine Frau erwartungsvoll an.
„Du hättest schon einmal den Tisch decken können, anstatt nach mir zu brüllen!“ Sie war verärgert.
„Aber wieso?“, antwortete Achim entrüstet, „das ist doch deine Aufgabe!“
„Meine Aufgabe? Wer sagt das?“ Achim antwortete nicht.
„Wo gehen wir heute Abend eigentlich essen?“, wechselte sie rasch das Thema, während sie unter lautem Geklapper Teller und Tassen aus dem Küchenschrank nahm.
„Darüber haben wir doch mehr als ein Mal gesprochen, meine Liebe. Wir grillen! Das ist nicht nur sinnvoll bei dem Wetter, sondern auch weitaus billiger, als jeden Abend aus zu gehen. Außerdem haben wir einen super Grill auf der Terrasse. Den müssen wir nutzen.“
„Du weißt genau, dass ich Fleisch nicht so häufig mag.“
„Dann mach doch einen Salat dazu!“
Erzürnt über Achims Dreistigkeit, schnappte Adele sich Kaffee und Toast und verlegte ihr Frühstück auf die Terrasse. Sie hatte in den letzten achtzehn Jahren geduldig seinen übertriebenen Geiz und seine Kritik über sich ergehen lassen. Da sie ihren Mann liebte, konnte sie bisher über seine enervierende Art hinwegsehen. Doch jetzt auf einmal spannte sich die feine Haut über ihren Wangenmuskeln und ihre Stirn lag zornig in Falten. Langsam kroch der Ärger in ihr hoch. Mehrfach hatte sie sich bei dem Gedanken ertappt, wie schön das Leben doch wäre, ohne ihn. Als Achim ebenfalls auf die Terrasse hinaustrat, stand Adele auf. Sie lief zum Bootssteg, setzte sich auf die Holzplanken und ließ ihre Füße sachte im warmen Wasser baumeln.
„Hier für dich“, sagte er, als er kurz darauf mit Adeles Lieblingsgetränk zu ihr kam. Nachdenklich schaute sie ihn an, während sie nach dem Glas Orangensaft griff. Manchmal kann er wirklich lieb sein, stellte sie fest. Sie ließ ihren Blick über die sanften Wellen der Tampa Bay schweifen. Delphine tummelten sich in der Bucht. Sie schienen zu spielen. Schossen pfeilschnell durchs Wasser, versanken für kurze Zeit unter der Oberfläche, nur um in einiger Entfernung wieder aufzutauchen. Adele glaubte zu träumen, als einen halben Meter vor ihr ein besonders neugieriges Tier fast lautlos seinen Kopf aus dem Wasser streckte. Es schien sie zu beobachten.
„Na du bist aber ein spaßiges Kerlchen.“ Sofort begann sie stärker mit den Füßen zu plätschern. Vielleicht würde der Delphin näher kommen. Das Tier verharrte einen Moment. Streckte sein schnabelähnliches Maul ins Wasser und verschwand. Adele folgte seiner Spur mit den Augen. Es war ihr unmöglich, in der Ferne mehr zu erkennen, als ein leicht silbriges Glitzern auf der Wasseroberfläche.

Adele war eine richtige Sonnenanbeterin. Im Gegensatz zu Achim, der es nicht mochte in der Hitze gegrillt zu werden, ohne sich zwischendurch abzukühlen.
„Kommst du mit ins Wasser?“ Adele drehte sich auf den Bauch und löste die Bänder ihres Bikinioberteils.
„Später vielleicht. Zuerst muss ich mich noch etwas aufheizen.“
„Dann eben nicht!“
Adele legte die Stirn auf ihrem Unterarm ab und schloss die Augen. Kurz darauf war sie eingeschlafen.
„Oh verdammt, das brennt ja höllisch.“ Erschrocken sprang sie zwei Stunden später auf und lief ins Haus. Ihr gesamter Rücken und die Beine leuchteten flammend rot. Jetzt fielen ihr die Worte ihrer Freundin wieder ein: „Du darfst die Intensität der Sonneneinstrahlung auf keinen Fall
unterschätzen. Vergiss nie, dich einzucremen. Auch dann nicht, wenn du dich im Schatten aufhältst.“ Aufgeregt lief sie ins Schlafzimmer. Als sie ihre Rückseite im Spiegel begutachtete, stöhnte sie auf. „Das fängt ja gut an.“ Eine kalte Dusche würde die Schmerzen vielleicht lindern. Als sie nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Badezimmer zurückkam, fiel ihr Blick auf Achims Brieftasche, die auf dem Rand des Bettes lag. Offensichtlich hatte er vergessen, sie wieder in den Nachttisch zurückzulegen.

Als sich Adele hinsetzte, fiel sie herunter und der Inhalt blieb verstreut auf dem Boden liegen. Wie ärgerlich, dachte sie und hob nacheinander die Unterlagen auf. Jäh hielt sie inne. Verdutzt schaute sie auf ein Foto, das einen Mann, ihren Mann, mit einer anderen Frau und einem etwa fünf Jahre alten Jungen zeigte. Adeles Herz begann wie wild zu schlagen und das Atmen fiel ihr schwer.
Das darf nicht wahr sein“, sagte sie mit zittriger Stimme. Zögernd drehte sie das Bild um und las den Text auf der Rückseite. Meine beiden Männer. Sommer 2003. In Liebe. Siggi.
„Ich fasse es nicht“, stammelte Adele, während sich ihre Augen mit Tränen füllten. Dafür also hatte sie in den letzten zehn Jahren den Gürtel so eng schnallen müssen. Achims kleine Baufirma war im Aufbau gewesen, gemeinsam hatten sie hart gearbeitet. Heute war die Firma ein gut gehendes und gewinnbringendes Unternehmen. Achim hatte sie immer dazu angehalten, sparsam zu sein. Plötzlich stieg die blanke Wut in ihr auf. Sie dachte nicht nur an die vielen Diskussionen, wenn sie sich mal etwas Schickes gönnte, sondern auch an seine ständigen Überstunden. Die langen Abende, die er in seinem Büro verbracht hatte. Er könne sich besser konzentrieren, wenn die Belegschaft zu Hause sei, hatte er ihr gesagt. Dann prüfe er Akten, für die ihm am Tag nicht der Sinn stand. Wie oft hatte sie auf ihn gewartet. Ihn liebevoll umsorgt, wenn er erschöpft aus dem Büro kam. Jetzt wusste sie, dass alles nur eine Lüge war. Mit Siggi und ihrem Balg, hatte er diese Stunden verbracht.

Einige Jahre hatte sie ihm in den Ohren gelegen, bis er mit ihr diese Reise, ihre Hochzeitsreise, nachholte. Achim machte sich nichts aus den USA. Das wusste sie durch die vielen Gespräche mit ihm. „Da gibt es nur weiches Brot, Erdnussbuttersandwich mit Marmelade und dünnes Bier“, hatte er eingewandt. Adele dagegen liebte dieses Land. Sie verband mit ihm unendliche Weiten, Freiheit und Abenteuer. Florida, der Sunshine State hatte es ihr ganz besonders angetan. Schon alleine wie sich das spanische Wort Florida in ihrem Mund entfaltete und dann locker über ihre Lippen rollte. Bei ihren Urlaubsvorbereitungen hatte sie gelesen, dass es voll von Blumen bedeutet. Sogleich war sie fasziniert. Sie mochte Blumen. Mit Begeisterung hatte sie sich die unzähligen Bilder der traumhaften Strände angesehen. Als sie im Internet auf die Fotos von Sanibel Island, einer Insel im Golf von Mexiko stieß, konnte sie förmlich den heißen Muschelsand unter ihren Füßen spüren. Das Eiland zählt zu den schönsten Muschelgebieten der USA. Zugegeben, es war nicht gerade ein Katzensprung von St. Pete aus. Mindestens zwei Stunden Fahrt würden sie hinter sich bringen müssen.
Unter Berücksichtigung der Geschwindigkeitsbeschränkung rechnete sie eher mit zweieinhalb bis drei Stunden. Aber Adele war sich sicher, dass sich der Aufwand lohnte. Außerdem hatten sie als Touristen alle Zeit der Welt. Sie war froh, sich mit dieser Reise gegen Achim durchgesetzt zu haben.

Erneut drehte sie das Bild um und schaute sich Siggi genauer an. Sie war nicht nur eine hübsche, sondern auch äußerst gepflegte Erscheinung. Das Kleid, das sie trug, schien teuer gewesen zu sein und Adele spürte, wie sich der Pfeil der Verletzung immer tiefer in ihr Herz bohrte. Plötzlich blieb ihr Blick an Siggis Schmuck hängen.
„Unglaublich.“ Aufgebracht warf sie das Foto aufs Bett. Siggi trug eine Kette, die sich Adele vor fünf Jahren zum Hochzeitstag gewünscht hatte. Achim war sie zu teuer gewesen. Damals ging das Geschäft nicht besonders gut, sie standen kurz vor dem finanziellen Aus.
„Dieser Sauhund“, presste sie atemlos hervor. Mit einem Mal aber hellte sich ihre Miene auf. Sie nahm das Foto, steckte es sorgfältig in die Brieftasche und legte sie zurück aufs Bett. Jetzt reicht’s aber, dachte sie zornentbrannt, „all die Entbehrungen sollen nicht umsonst gewesen sein, mein Lieber.“
Die ersten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Sie besuchten Busch Gardens, danach Sea World Adventure Parks. Hier streichelten sie Delphine, kamen Rochen ganz nah, bewunderten die einmalige Killerwalshow. Außerdem absolvierten Sie einige Tauchgänge mit ihrem Lehrer im offenen Meer. Lernten die Unterwasserwelt Floridas kennen und die hier vorherrschenden Strömungsverhältnisse. Für die kommende Woche war der erste Tauchgang in Küstennähe ohne ihren Lehrer geplant.

Jeden Montag deckten sie sich im nahe gelegenen Albertsons für die gesamte Woche mit Lebensmittel ein. Achim war überrascht, als Adele zwei extra Steaks aus der Kühltruhe nahm.
„Sind die etwa für dich?“ Ungläubig schaute er zu seiner Frau. Adele lächelte sanft.
„Das ist nur ein kleiner Vorrat. So haben wir immer genügend Fleisch im Haus um deinen Gelüsten nachzukommen.“ Achim war ratlos. Verblüfft schaute er zu, wie Adele die Päckchen mit rohem Fleisch in den Einkaufswagen legte. Er wusste, dass sie immer noch darauf wartete mit ihm schick essen zu gehen. Weitere Grillabende waren zumindest von ihrer Seite nicht geplant. Warum tat sie das jetzt? Nahm sie ihn auf den Arm?

Achim ging früher als gewohnt zu Bett, um für den morgigen Ausflug ausgeschlafen zu sein. Die letzen Tage waren nicht nur sehr anstrengend, sondern auch unerträglich heiß gewesen. Sie würden in aller Frühe aufbrechen, mit dem Boot hinausfahren, den Golf von Mexiko auf eigene Faust erkunden. Adele hatte am Vortag mit Rob, ihrem einheimischen Tauchlehrer, die Route besprochen. Er würde mit ihnen hinausfahren, das sei sicherer. Den Tauchgang allerdings durften sie beide alleine durchführen.

Adele nahm die zwei extra Steaks aus dem Kühlschrank. Teilte beide in grobe Würfel, gab alles in den Mixer und pürierte die Stücke, bis daraus eine dickliche Fleischmasse entstand. Dann schüttete sie den Brei in einen Plastikbeutel. Im untersten Schubfach der Küche hatte sie Tage zuvor ein Vakuumgerät entdeckt. Mit einem leisen Surren entzog es dem Beutel die Luft. Sie hielt ein flaches Päckchen in Händen, das unter ihrem Neoprenanzug nicht weiter auffallen dürfte. Adele nahm den Beutel an sich, strich den Inhalt vorsichtig glatt und versteckte ihn im Küchenschrank. Sie verbrachte die Nacht in einem der anderen Schlafzimmer. Immerhin musste sie vor Achim aufstehen und durfte ihn nicht wecken, bis sie mit ihren Vorbereitungen fertig war.

„Bist du schon lange auf?“, brummte Achim am nächsten Morgen, als er sich an den üppig gedeckten Tisch setzte. „Brunchen wir jetzt?“
„Ich habe bereits gefrühstückt“, bemerkte Adele und reichte
ihm Toast und Butter.
„Ich bin richtig aufgeregt. So kurz vor unserem ersten Solotauchgang. Du nicht?“
Achim schüttelte den Kopf.
„Du scheinst es ziemlich eilig zu haben.“ Gierig stopfte er
sich eine halbe Toastscheibe in den Mund.
„Wie kommst du darauf?“
„Weshalb sonst trägst du jetzt schon deinen Neoprenanzug?“
„Du hast recht, Liebling“, säuselte sie, „immerhin ist es für uns ein großer Tag. Zum ersten Mal alleine in den Weiten des Golf von Mexicos. Ich kann es wirklich kaum erwarten!“
„Wird auch nicht viel anders sein, als sonst“, erwiderte er und biss herzhaft in sein hart gekochtes Ei. „Sag mal hast du zugenommen, meine Liebe? Du siehst um den Bauch rum etwas mächtig aus.“
Adele fixierte ihren Mann mit ihrem durchdringenden Blick. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck, der Bände sprach.
„Schon gut, schon gut! Du musst aber trotzdem zugeben, dass so ein hautenger Anzug nichts mehr für dich ist, mein Schatz“, stichelte er weiter, „früher, als noch alles dort saß, wo es hingehörte, war das natürlich etwas anderes. Aber heute…?“ Achim verzog viel sagend den Mund. Adele zog es vor, seine abfälligen Bemerkungen nicht zu kommentieren. Stattdessen machte sie das Motorboot klar. Dreißig Minuten später fuhren sie über die Tampa Bay, hinaus zum Treffpunkt.

Rob entließ beide nicht in die Tiefe, ohne sie vorher noch einmal eingehend über die Tücken des Gewässers aufzuklären. Jetzt konnte es auch Achim kaum erwarten und sprang als erster. Adele folgte ihm, wobei sie sich vorsichtig ins kristallklare Wasser gleiten ließ. Dann tauchten sie ab. Adele immer ein Stück hinter Achim. Sie hasste es, dass er nie auf sie wartete. Achim interessierte sich nicht einmal dafür, wo seine Frau genau war. Er hätte sie jederzeit unter Wasser verlieren können, was ihn nicht weiter zu stören schien. Heute jedoch fiel Adele absichtlich zurück. Sie beobachtete, wie Achim am Meeresboden mit den Händen den Sand aufwühlte. Sie musste innerlich lächeln. In jedem Gewässer vermutete er unentdeckte Schätze. Dann war er völlig abwesend, vergaß einfach alles um sich herum. Von Achim unbemerkt, vergrößerte Adele den Abstand zu ihm. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse, legte den Kopf in den Nacken um zu sehen, was sich um sie herum tat. Ihr Mann war jetzt außer Sichtweite. Äußerst vorsichtig öffnete sie den Reißverschluss ihres Tauchanzuges, nahm den flachen Beutel heraus, den sie sich um ihren Bauch gelegt hatte. Dann entdeckte sie Achim einige Meter vor sich. Schleunigst zog sie den Reißverschluss des Neoprenanzugs wieder zu, das Päckchen fest in ihrer Hand haltend und versteckte sich hinter einem Felsen. Alles musste jetzt schnell gehen. Sie durfte sich keinen Fehler erlauben. Bei jedem Tauchgang trug sie ein Messer mit sich, das an ihrem Schienbein befestigt wurde. Sie zog es aus dem Schaft, stieß es tief in das Plastikpäckchen hinein. Sofort quoll die blutige Fleischmasse heraus, verteilte sich im Ozean. Sie steckte das Messer zurück und schwenkte das Plastikpäckchen neben sich kräftig durchs Wasser. Der gesamte Inhalt des Beutels verteilte sich in wenigen Sekunden im Meer. Mit den Augen folgte sie einen Moment der durchsichtigen Plastikhülle, beobachtete wie sie im Wasser trudelte. Dann bewegte sich Adele langsam zur Wasseroberfläche. Achim, immer noch eingehend mit der Schatzsuche beschäftigt, bemerkte nicht, wie sich seine Frau plötzlich von ihm entfernte. Die immer größer werdenden Schatten erkannte er zu spät. Das Letzte was er sah, war das Furcht einflößende Gebiss eines großen Hais. Dann färbte sich das Wasser blutrot.

Tage später berichtete die örtliche Presse über die tragischen Umstände, die einen deutschen Urlauber das Leben gekostet hatten. In dem Artikel wurde vom ersten Haiunfall des Jahres in den Gewässern Floridas gesprochen. Sie nannten es ein unglückliches und äußerst seltenes Zusammentreffen von Mensch und Tier. Seine Frau, die ihn bei diesem Tauchgang begleitete, konnte sich im aller letzten Moment in Sicherheit bringen.

Wenige Tage danach saß Adele am Bootssteg, schlürfte ihren Kaffee, während sie zufrieden dem Sonnenaufgang über der Tampa Bay zuschaute. Ein Graureiher genoss die ersten warmen Strahlen des Tages auf einem der Pfosten des Bootsstegs. Er hatte seine Flügel gespreizt, drehte dabei seinen Oberkörper mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Das Schauspiel entlockte Adele ein Lächeln. Es lag jetzt diese unvergleichliche Stille über der Bucht, wie man sie nur hier, an diesem Ort, zu dieser frühen Stunde, finden kann. Achim hatte Adele als Mitinhaberin der Firma eingesetzt. In Zukunft würde sie sich vieles leisten können. Sie hatte vor, ihre neu gewonnene Freiheit zu genießen. Morgen flog sie nach Hause. Früher als vorgesehen, aber sie würde wiederkommen. Schon bald!

 

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